Was unterscheidet „Islamfeindlichkeit“ von „Islamophobie“/„Muslimfeindlichkeit“?
- 30. Jan. 2021
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Aktualisiert: 16. Sept. 2021
Aus der Perspektive der Vorurteilsforschung werden in Deutschland Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Menschen anderer Kulturkreise wissenschaftlich untersucht. Bisher wurden solche Forschungen eng mit Begriffen wie Ethnozentrismus, Xenophobie, Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit verbunden (vgl. Leibold 2010: 149). Im Kontext von vielen Migrationen in die Bundesrepublik und im Zuge der Globalisierung haben sich andere kulturellen Ausdrucksformen von ihren ursprünglichen Orten gewandelt und Deutschland erreicht. Mit der Etablierung des Islams und seinen Symbolen (Moschee, Kopftuch etc.) in der westlichen Welt ist es oft zu öffentlichen Auseinandersetzungen, vor allem in den Medien, gekommen. Es lassen sich in den letzten Jahren vermehrte Vorurteile und ablehnende Einstellungen gegenüber dem Islam feststellen.
„Es kann keinen Zweifel daran geben, dass empirisch ein Phänomen vorhanden ist, das wir als `Islamophobie´, andere als anti-muslimischen Rassismus und andere wieder als `Islamfeindlichkeit´ zu beschreiben suchen“ (Schiffer/Wagner 2010: 10). Die Begriffe „Islamophobie“, „Islamfeindlichkeit“, „Antimuslimischer Rassismus“ etc. werden in vielen Publikationen oft als Synonym verwendet. Für Farid Hafez (2014) unterscheiden „die Begriffe [...] sich nur in Nuancen, da hat jeder seine Vorlieben“. Michail Logvinov ist aber nicht dieser Meinung. Für ihn mögen in einigen Fällen Definitionsprobleme nebensächlich sein. Dies gilt jedoch nicht für Begriffe, die politisch instrumentalisiert werden können(Logvinov 2017: 3). Empirisch müssen diese Begriffe operationalisiert werden. Wenn sie also nicht messen, was konzeptionell durch die verwendeten Konstrukte festgelegt wird, halten sie der Güterprüfung nicht stand (vgl. ebd.). Es lassen sich aus sozialwissenschaftlicher Perspektive einige Unterschiede feststellen, wenn man die Begriffe genauer unter die Lupe nimmt, denn je nach Ablehnungskonstruktionen, werden unterschiedliche Dimensionen herangezogen. Deswegen ist es von Bedeutung eine legitime Islamkritik von einer islamfeindlichen, rassistischen Muslimfeindlichkeit analytisch zu trennen.
1. Islamophobie
Für den deutschen Sozialwissenschaftler Jürgen Leibold wurde der Begriff islamophobia erstmals in Großbritannien verwendet. Damit sollte nach der iranischen Revolution und speziell im Anschluss an die Fatwa gegen Salman Rushdie 1989 zwischen generell ablehnenden Einstellungen und der wachsenden Feindseligkeit gegenüber Muslimen unterschieden werden. Der Begriff wurde danach in der amerikanischen und europäischen Forschung zur Beschreibung von Vorurteilen und diskriminierenden Verhaltensweisen gegenüber muslimischen Personen verwendet (Leibold 2010: 149).
So wurde im Rahman des Projekts zur Erhebung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF)„Islamophobie“ als „generelle ablehnende Einstellungen gegenüber Muslimen, pauschale Abwertungen der islamischen Kultur und distanzierende Verhaltensabsichten gegenüber Muslimen“ oder „die Abwertung und Diskriminierung einer religiösen Minderheit“ (Leibold und Kühnel 2006, S. 137; Leibold et al. 2012, S. 177 zit. in Logvinov 2017: 4) definiert.
Bei der Begriffsdiskussion wird also oft auf die breiteRezeption des Islamophobia Reports der britischen Anti-Rassismus-Stiftung Runnymede Trust verwiesen. Mit dem Titel "Islamophobia: A Challenge for Us All" veröffentlichte sie 1997 einen Bericht über fremdfeindliche Einstellungen gegenüber Muslimen. Es wird als „islamophob“ bezeichnet, wenn der Islam als monolithisch und statisch, gesondert und fremd, aggressiv, minderwertig und absolut anders angedeutet wird (Pfahl-Traughber 2019). Weiter in diesem Bericht gilt als Kriterien für „Islamophobie“ die Deutung, dass der Islam barbarisch, irrational, primitiv und sexistisch sei. Aber auch er sei „eine bedrohliche, aggressive und gewalttätige politischeIdeologie und eine feindselige Haltung gegenüber dem Islam wird als natürlich angesehen, weshalb gesellschaftliche Ausgrenzung und diskriminierende Praktiken gegenüber Muslimen als gerechtfertigt gelten“ (Wäckerlig 2019: 22).
Etymologisch gesehen, besteht der Begriff der Islamophobie aus zwei Teilen. Mit dem ersten Teil des Wortes „Islam“ ist die Religion der Muslime gemeint; der zweite Teil „Phobie“ steht im Altgriechischen für „Angst“: „Demnach meint ‚Islamophobie‘ ein auf den Islam oder die Muslime bezogenes stark ausgeprägtes Gefühl von Furcht, das über ein als angemessen oder normal geltendes Maß hinausgeht“ (Pfahl-Traughber 2019). Laut dieser Definition handele es sich bei „Islamophobie“ um eine übertriebene und unbegründete Angst oder Antipathie gegenüber dem Islam und den Muslimen und nicht um Ressentiments. In einer psychologisierenden Sicht handele es sich bei „Phobie“ um eine krankhafte, zwanghafte Angst gegenüber dem Islam. (vgl. Bühl 2010: 289). Daher ist der deutsche Soziologe Armin Pfahl-Traughber der Meinung, dass der Begriff „Islamophobie“ nicht angemessen sei. Für Ihn sind die erläuterten Kriterien für „Islamophobie“ nicht unbedingt auf eine unbegründete Angst zurückzuführen, sondern können sehr reale Bezugspunkte haben, die solche Ressentiments erklären. (vgl. Pfahl-Traughber 2019).
Der Begriff der „Islamophobie“ sorgt mehr für Verwirrung als Klarheit. Etymologisch gesehen kann er als Gefühl von Furchtverstanden werden, das durch die Islamisierung und die Zunehmenden muslimischen Symbolen (Moschee, Kopftuch…) entsteht. Diese Bedrohungsgefühle können sich in einer allgemeinen Ablehnung und abwehrenden Haltung gegenüber dem Islam und den Muslimen manifestieren, dennoch können nicht alle ablehnenden Einstellungen gegenüber Muslimen als „Phobie“ gelten. Daher plädiert Schneiders für den Begriff der Islamfeindlichkeit (Schneiders 2012: 10).
2. Islamfeindlichkeit
Am Anfang benutze das Bielefelder Institut für Konflikt- und Gewaltforschung zu "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" (GMF) auch den Begriff der „Islamophobie“. Erst nach einigen Jahren wurde der Begriff der „Islamfeindlichkeit“ adoptiert. In der „Mitte-Studie“ von Andreas Zick und Anna Klein aus dem Jahr 2014 wird „Islamfeindlichkeit“ Ähnlich wie bei „Islamophobie“ definiert, nämlich als „die Bedrohungsgefühle und Abwertungen von Muslimen, ihrer Kultur und ihren öffentlich-politischen wie religiösen Aktivitäten“ (Zick/Klein 2014: 64). Hier lässt sich also fragen, ob die beiden Begriffe dasselbe meinen oder nicht. Wenn der Begriff der „Islamophobie“ eher unpassend ist, deckt diese Definition nicht ganz und präzise die vermeintliche „Islamfeindlichkeit“ab. Für Pfahl-Traughber muss nicht prinzipiell jede rigorose Abwertung des Islam als extremistisch oder islamfeindlich gemeint sein. Ein Atheist könnte zum Beispiel den Islam oder das Christentum grundlegend ablehnen, das wird aber nicht als feindliche Einstellung wahrgenommen (Pfahl-Traughber 2019).
Schneiders präferiert den Terminus „Islamfeindlichkeit“ statt „Islamophobie“, denn für ihn sei der letztere aus zwei Gründen „unglücklich gewählt“: Zuerst diene er als „Kampfbegriff“ zwischen Muslimen, die damit versuchen, jegliche Kritik am Islam zu unterbinden und Islamkritikern, die den Begriff benutzen, um die eigene Meinung gegen jegliche Wiederstände durchzubrechen; zweitens sei der Begriff, wie oben schon gesagt, irreführend (Schneiders 2012: 9).
Für Schneiders ist „Islamfeindlichkeit“ zu definieren als:
„die Instrumentalisierung von undifferenzierter Kritik an der Religion des Islam und deren Anhängern zum Zwecke der Verfolgung eigener, oftmals ideologischer Interessen. Der Prozess manifestiert sich durch direkte Gewalt oder durch Agitation gegen Personen, Symbole und Heilige Texte. Auf der argumentativen Ebene sind die Grenzen zur Sachlichkeit bisweilen fließend, sodass man von Fall zu Fall überlegen muss, ob eine Äußerung lediglich als kritisch oder als feindlich zu bewerten ist“ (ebd. 10).
Hier lässt sich feststellen, dass diese Definition nicht nur präziser formuliert ist, sondern sie berücksichtigt auch andere Parameter. Unter dem hier von Schneiders formulierten Verständnis von „Islamfeindlichkeit versteht man als erstes im Gegensatz zur Definition von „Islamophobie“ eine intentionale und rationale Feindlichkeit, die sich durch Islamkritik äußert. Im Falle von „Islamfeindlichkeit“ wird also absichtlich versucht, den Islam mit negativen Bildern zu assoziieren. Diese Definition zeigt uns auch vor allem, dass es einen schmalen Grat zwischen Kritik und Feindlichkeit geben kann.
Dennoch hat der Extremismusforscher Michail Logvinovinteressante Aspekte zur begrifflichen Diskussion beigetragen. Für Logvinov richtet sich die absichtliche Bekämpfung des Islam vordergründig gegen den Islam „als kulturrelevanten Wertkanon mit den ihm pauschal zugeschriebenen Eigenschaften wie Expansionsdrang, Gewaltlegitimation u. a. Der Islam wird pauschal als ‚faschistisch‘, ‚totalitär‘, ‚frauenfeindlich‘ und ‚homophob‘ entlarvt“ (Logvinov 2017: 9). Es handele sich hier mehr um einen Kampf gegen die Propagierung der islamischen Kultur. So sieht Uwe Backes (vgl. Backes 2013) die christlichen Kreuzritter als kulturelle und nicht rassistische Abwehrbewegung gegen eine Bedrohung der eigenen Identität.
3. Muslimfeindlichkeit
Die vorherigen Begriffe haben sich hauptsächlich auf den Islam als Religion oder als Kultur bezogen. Aber beim Terminus der „Muslimfeindlichkeit“ geht es um eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, nämlich gegenüber den Muslimen als Anhänger der Religion. Andreas Zick und Anna Klein analysieren Menschenfeindlichkeit aus der Perspektive des Rechtsextremismus. Für die beiden Autoren ist diese Feindlichkeit dadurch gekennzeichnet, dass „sie sich auf verschiedene Gruppen in der Gesellschaft bezieht, die als schwach, abweichend, nicht normal oder fremd und so weiter markiert werden“ (Zick/Klein 2014: 62). Dabei ist ein interessanter Befund, dass die Feindlichkeit gegenüber einer bestimmten Gruppe mit Feindlichkeit gegen andere Gruppen einhergeht. Dieses Phänomen bezeichnen sie als „Syndrom gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ (ebd.). Das heißt, dass Personen mit feindseligen Einstellungen gegenüber Muslimen, auch zu abwertenden Einstellungen gegenüber Juden oder anderen schwachen Gruppen (Minoritäten) neigen. Ein wichtiger Bestandteil im Kontext des Rechtsextremismus ist also die „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ (ebd.), die sich in Fremdfeindlichkeit, Muslimfeindlichkeit etc. ausdrückt.
Für den Forscher Heiner Bielefeldt ist „Muslimfeindlichkeit“ auch eine Variante von Menschenfeindlichkeit, aber er ist der Meinung, dass „eine begriffliche Trennung von Islam und Muslimen – und ergo von Islamfeindlichkeit und Muslimfeindlichkeit – recht künstlich wirkt“ (Bielefeldt 2012: 24). Demnach wäre eine Unterscheidung zwischen ablehnenden Einstellungen gegenüber dem Islam als Kultur oder Religion und den Muslimen als Angehörige nicht zu machen, denn „der Glaube und die Gläubigen hängen miteinander zusammen“ (ebd.).
Da auch andere Autoren diese Position vertreten, dass sich das Feindbild nicht auf die Kultur oder Religion bezieht, sondern auf Menschen (vgl. Halliday 1999: 898), lassen sich empirisch Unterschiede zwischen „Islamfeindlichkeit“ und „Muslimfeindlichkeit“ feststellen. Zick merkte in seinem Beitrag Islam- und muslimfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung an:
empirisch betrachtet, sind beide in der Regel signifikant korrelierende Facetten, aber sie können auch nicht einfach als eine zusammenhängende Dimension einer allgemeinen Abwertung beurteilt werden, wie sie etwa mit dem ungenauen Terminus der Islamophobie bezeichnet wird. Der genaue empirische Nachweis, dass es auch bei den Vorurteilen gegenüber dem Islam letztendlich um eine Feindlichkeit gegenüber Muslimen geht, wäre erst zu erbringen (Zick 2012: 35).
Der GMF-Studie aus dem Jahr 2003 Zufolge lehnten zwar 69,9% der Befragten die Aussage ab, dass „Die muslimische Kultur […] durchaus in unsere westliche Welt“ passt. Jedochlehnten 65,6% der Befragten auch folgende Aussage ab: „Bei Personen muslimischen Glaubens bin ich misstrauischer“(Leibold/Kühnel 2003: 103). Hier gilt also auch die Idee, dass nicht jede rigorose Ablehnung des Islam mit der Diskriminierung der Muslime eingeht (vgl. Pfahl-Traughber 2019). Man kann sagen, dass es sowohl theoretische als auch empirische Befunde gibt, um Unterschiede zwischen der Ablehnung einer Glaubensrichtung und der Abwertung oder Diskriminierung von Menschen dieser Religion festzustellen.
4. Antimuslimischer Rassismus
Für die Medienpädagogin Sabine Schiffer wurden die Begriffsdebatten nur geführt, um das eigentliche Problem zu leugnen, denn es handele sich hierbei um einen „antimuslimischen Rassismus“ (Schiffer 2013). Dabei verwendet sie den Begriff der „Islamfeindlichkeit“ als Synonym zu „antimuslimischer Rassismus“ und definiert ihn als:
die verallgemeinernde Zuweisung stereotyper Fakten und Fiktionen auf den Islam, die Muslime oder die, die man spontan dieser Gruppe zuordnet. Islamfeindlichkeit dient, wie jeder Rassismus, der Verfestigung etablierter hierarchischer Strukturen und somit der Abwehr von Inklusion und Entwicklung. Die religiöse Verfasstheit oder überhaupt die Art der Verfasstheit der inkriminierten Gruppe spielt nur eine sekundäre Rolle. Es ist Zufall, ob es sich um eine national definierte oder eine phänotypisch auszumachende Gruppe oder eben jetzt um eine religiös definierte Gruppe handelt, der man Eigenschaften verallgemeinernd zuweist (ebd.).
Allerdings stellt diese Definition ein Problem dar, wenn wir sie auf Rassismus oder allgemein auf die Rasse zurückführen sollen.
Die Grundlage der Überlegungen von Robert Miles bezüglich des Rassismus im Allgemeinen bildet der von ihm geprägte Begriff der Rassenkonstruktion (‚racialization‘) (Miles 1992: 100). Darunter versteht er „jene Fälle, in denen gesellschaftliche Beziehungen zwischen Menschen durch die Bedeutungskonstruktion biologischer Merkmale dergestalt strukturiert werden, daß sie differenzierte gesellschaftliche Gruppen definieren und konstruieren“ (ebd.). Schiffers Definition zufolge liegt das Problem auf einer institutionalisierten bzw. strukturellen Ebene. Somit ändert sich die Perspektive zur Analyse, denn es würde sich nicht um individuelle Einstellungen handeln, sondern um festgelegte Hierarchien (Strukturen, Regeln), wobei die Muslimeaufgrund ihrer Rassen diskriminiert werden.
Farid Hafez vertritt diese Position und sagt, dass „Islamophobie“ auch „antimuslimischer Rassismus“ bedeutet, denn hierbei handele es sich um eine dominante Gruppe von Menschen, die nach Macht strebt, indem sie einen Sündenbock imaginiert, und ihn von den Ressourcen, Rechten und der Definition eines kollektiven „Wir“ ausschließt. (Hafez 2017: 9).
Die Idee, dass es sich bei „Islamophobie“ oder „Islamfeindlichkeit“ um Rassismus handelt, wirft einige Fragen auf. Die Problematik aus der Perspektive der Rasse zu betrachten ist soweit problematisch, denn es handelt sich bei Muslimen nicht um „Rasse“. Der Islam als Religion kann auf keine bestimmten Rassen zurückgeführt werden. Es geht hierbei um einen Glauben, der von „Dunkelhäutigen“, „Weißen“ und Personen aller „Rassen“ angenommen werden kann. Generell in Europa und vorweg in Deutschland sind die meisten Muslime Einwanderer.
Deswegen sprechen einige Autoren von „Ethnisierung“ religiöser Zugehörigkeit. In diesem Fall werden „Türke“, „Araber“, und „Muslim“ sowohl im medialen als auch im wissenschaftlichen Diskurs als synonym verwendet, um Differenzen zu markieren und die Muslime als homogene und natürliche Gruppe zu konstruieren (Shooman 2015: 200f). Hier könnte man sich aber die Frage stellen, warum die Kategorie „Muslime“ im Vordergrund stehen soll. Im Falle einer rassistischen Diskriminierung wären auch Menschen aus islamisch geprägten Regionen, mit christlichen oder jüdischen Religionszugehörigkeiten genauso betroffen.
Für Loic Wacquant liegt ein großes Problem darin, dass keine klare Abgrenzung zwischen volkstümlichen und analytischen Auffassungsweisen von „Rasse“ etabliert wurde. Wissenschaftler greifen auf die kollektive Konzeption des Begriffs zurück und reformulieren sie innerhalb eines neuen diskursiven Rahmens (Wacquant 2001: 63). Die Idee der Konstruktion der „Anderen“ ist auf jeden Fall sehr interessant, aber „Rassismus“ und „Islamfeindlichkeit“ sind analytisch voneinander zu trennen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die oben angeführten Begriffe auf unterschiedliche Dimensionen der Ablehnunghinweisen. Der Begriff der „Islamophobie“, der für eine unbegründete Furcht des Islam steht, scheint eher ungeeignet zu sein, um die tatsächliche Feindschaft zu beschreiben. Dafür ist der Begriff der „Islamfeindlichkeit“ passender, denn damit ist eine rigorose Ablehnung des Islam gemeint, die aber auf den Islam als Kultur zurückzuführen ist. Die „Muslimfeindlichkeit“ dagegen bezieht sich auf Feindschaft gegen die Menschen als Träger der Religion. Der Begriff „antimuslimischer Rassismus“ verlagert das Problem und stellt die gesellschaftlichen Strukturen in Frage, durch welche eine Gruppe rassistisch diskriminiert wird.
Quellen:
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https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/180774/islamfeindlichkeit-islamophobie-islamkritik-ein-wegweiser-durch-den-begriffsdschungel
http://www.bpb.de/politik/ extremismus/rechtsextremismus/180770/wo-endet-islamkritik-und-beginnt-islamfeindlichkeit (17.3.2014).
Was ist eine Fatwa? · Institut für Islamfragen (2004). Online verfügbar unter https://www.islaminstitut.de/2004/was-ist-eine-fatwa/, zuletzt aktualisiert am 10.04.2018+00:00, zuletzt geprüft am 28.05.2020.
Cheikh Abdoul Ahad Diaw
MA Soziologie
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